Anna Seidel war es fast ein bisschen unheimlich, dass „ihr“ Dresden und „ihre“ Eishalle mit hunderten von Weltcup-Plakaten, die sie im Einsatz zeigen, versehen waren. Muss es nicht: die erst 17-jährige ist nicht nur das neue „Postergirl“ (Sächsische Zeitung), sondern die Vorzeigefigur des deutschen Short Tracks. Auch wegen ihr hat das Fernsehen seine Kameras nach Elbflorenz entsandt. ZDF-Redakteur Alexander von der Groeben kündigt zwei Schaltungen am Samstag und Sonntag nach Dresden an. Reingucken lohnt also, denn die Stimmung bei Top-Events in Sachsen ist ohnehin kaum zu toppen.

Am noch eher ruhigen Freitag, ohne Entscheidungen, nutzte Daniel Zetzsche die Gunst der Stunde und das heimische Eis, um sich ins Semifinale über 1500 m zu schieben. Damit trifft er auf die Weltklasse. Wie auch die besten deutschen Skater um Seidel, Bianca Walter, Christoph Schubert und Felix Spiegl.

Die Hoffnungen auf Staffel-Teilnahmen an Tag II nährten zunächst die Damen. Allerdings ging es in der Qualifikation - nach Platz 3 - nur über die Zeit (4:16,043 Minuten). Das Quartett, zuletzt bei der EM stark, verzog sich flugs und einigermaßen mürrisch Richtung Umkleidekabine. Dort wurden zum Beispiel die Wechsel diskutiert. Völlig verändert das Bild im Viertelfinale. Platz 2, dh. Teilnahme an den Semifinals am Sonntag. Ungarn und Niederlande in die Knie gezwungen. Der Bundestrainer sah einen „fast optimalen Lauf. Wir waren trotz kleiner Fehler stark genug. Und man darf nicht vergessen, wie jung die Mädels sind.“ DESG-Präsident Gerd Heinze gratulierte den ‚Glücklichen von Dresden‘, Anna Seidel, Bianca Walter, Anna Katharina Gärtner und Gina Jacobs, spontan. Und nickte sehr zufrieden.

Die Jungs in der Besetzung Spiegl, Schubert, Torsten Kröger, Zetzsche legten in ihrem Rennen los wie die Feuerwehr. Gaben das Tempo vor – und stürzten in Führung liegend. Bundestrainer Miroslav Boyadzhiev wollte wegschauen, seine Mannen rappelten sich zwar hoch, aber es reichte nach 45 Runden (natürlich) nicht für den Aufstieg ins Viertelfinale. Verpasste Chance, aber eben typisch Short Track (auch Kanada und Frankreich kamen zu Fall), wo Ex und Hopp so verdammt eng zusammen liegen.

Übrigens: eine sehr gute Nachricht überbrachte Judith Hesse, kinderwagen-schiebend und Zaungast bei den Kurvenflitzern. Am 1. März steigt die Sprinterin wieder ins Training ein – in der kommenden Eisschnelllauf-Saison will die Erfurterin ihr Comeback geben.  

 

DESG Presse