Bianca Walter mit Selbstbewusstsein unterwegs. Foto: DESG-Presse/HuggerEin Bankett mit wirklich leckeren (auch europäischen) Gerichten beendete die dreiwöchige Fernost-Tour der deutschen Shorttracker. Verdient allemal: dank mehrerer Top-Ten-Plätze. Anna Seidel ist eine feste Größe bei den Weltbesten, Bianca Walter meldete sich zurück – und die Jungs verkürzen den einmal großen Abstand peu à peu. Beispiel am Sonntag: Felix Spiegl konnte seinen Hoffnungslauf über 500 m als Zweiter beenden, kam eine Runde weiter – aber dann fehlten zwei Zehntel. Am Ende siegte der Chinese Dajing Wu – und die Halle tobte. Zumal bei den Sprinterinnen die überragende Kexin Wang ihren Erfolg von Nagoya wiederholte. Auch die 1500 m der Herren blieben im Land des Gastgebers. Aus europäischer Sicht der Burner: die Magyaren siegten im Team Relay vor Italien und Kanada.

Aus deutscher Sicht ein Ausrufezeichen. Anna Seidel erreichte das 500-m-Viertelfinale am letzten Tag und klassierte sich über die weniger geliebte Kurzdistanz an Position 12. Jetzt geht’s nach Hause resp. auf die Schulbank. Drei Klausuren am Sportgymnasium Dresden sind vor Weihnachten noch zu schreiben, dann beginnen endlich die Ferien. Und gleichzeitig die Vorbereitung auf die Europameisterschaften Ende Januar in Moskau.

Saison-Novum: auch die TV-Zuschauer bekamen schnelle ST-Kost serviert. Die ARD rückte die Kurvenflitzer in den Wintersportblock. Shorttrack-Experte Bodo Boeck/MDR zitierte Bundestrainer Boyadzhiev, dass auch hinter Seidel und Walter junge Sportlerinnen auf dem Sprung sind.

Leon Kaufmann-Ludwig nannte den Wettkampf „im Großen und Ganzen zufriedenstellend. Im einem stark besetzten Rep (Anm: über 500 m) bin ich von Position 4 mit einem starken Start an Position 1 in die erste Kurve gegangen und konnte mir sogar einige Meter Vorsprung erlaufen. Aber dann bin ich durch einen technischen Fehler fast zu Fall gekommen, konnte mich gerade noch halten. Doch das Rennen war damit gelaufen. Über 1000 Meter durfte ich mich mit Weltklasse-Läufern (Anm: Weltcupleader Elistratov, Viktor Koch, Tommaso Dotti) messen, habe offensiv agiert – aber für ein im Nachhinein enges Überholmanöver einen umstrittenen Penalty bekommen.“ Das entspricht einer roten Karte für die Hoffnungsläufe. Bitter. Torsten Kröger gestand am Sonntag leider „recht müde Beine. Und ich habe taktisch auf der langen Strecke, die ich kaum laufe, noch viel zu lernen.“

Bianca Walter, mit Trainingsrückstand in die Saison gestartet und beim Weltcup-Auftakt von Kanada noch nicht dabei, schickte allen Freunden und Bekannten herzliche Grüße aus Asien. Aber nicht nur in Form netter Smilies. Am Schlusstag in Shanghai qualifizierte sie sich in einem klasse 1500-m-Rennen als Dritte für das B-Finale. Auf einer Distanz, die ihr bisher manche Probleme bereitet hatte. Dann ein 5. Rang, dh. Zwölfte in der Streckenwertung. „Ich selbst bin mega froh wie es die letzten zwei Wochen lief! Vier Strecken – vier Mal im Weltcup in der Top 16 inklusive erster Top-10-Platzierung. Am Sonntag im Halbfinale und dann auch noch B-Finale! Ein paar Körner mehr und es geht noch weiter vor, die Chancen waren da und ich werde jetzt weiter trainieren, um diese beim nächsten Mal zu nutzen :) Aber wirklich Wahnsinn, dass es hier so gut geklappt hat. Tests und Training haben zwar gezeigt, dass es vorwärts geht, aber hiermit habe ich nicht gerechnet. Auch taktisch war ich endlich mal selbstbewusster unterwegs. So viel Positives motiviert für die zweite Saisonhälfte.“

"Gutes Eis, perfekte Organisation", Shorttrack-Bundestrainer Miroslav Boyadzhiev stellt den Veranstaltern des 4. Weltcups in Shanghai ein gutes Zeugnis aus. Auch seine Schützlinge nutzten die Arena zu weiteren Fortschritten: zwei Top-Ten-Plätze durch Anna Seidel und Bianca Walter - aber auch die Jungs reck-ten die Nase mutig in den Eiswind. Torsten Kröger erreichte das Viertelfinale (1000 m), Felix Spiegl ("mit einem aggressiven Stil", Boya) und Christoph Schu-bert ("Der es eher passiv anging") gewannen einen Hoffnungslauf über 1500 m. Verfehlten das Viertelfinale jedoch knapp. Bianca Walter sicherte sich die beste Weltcup-Platzierung des Winters: 10. auf der Mittelstrecke.


Anna Seidel wurde den gestiegenen Erwartungen auch in China gerecht. Die 17-Jährige zog als Gewinnerin ihres Halbfinales in einen weiteren 1500-m-Endlauf ein und beschrieb 'ihr' Rennen: "Im Finale hatte ich ein bisschen Pech, da die Kanadierin durch Stolpern direkt vor meine Füße gefallen ist und es dann schwer war das Loch wieder zu schließen. Gerade die stressigen letzten Wochen haben sich da eben auch mal bemerkbar gemacht. Ich bin aber trotzdem sehr zufrie-den, denn 5. ist trotzdem ein super Ergebnis! :)"

Stimmungsvoller Weltcup-Abschluss in Dresden

Der ISU Short Track World Cup 2015 in Dresden ist Geschichte. Am Sonntag erlebten 2845 Zuschauer in der EnergieVerbund Arena noch einmal packende Wettkämpfe.

Lokalmatadorin Anna Seidel präsentierte sich über die 500 Meter-Distanz in guter Verfassung, schaffte gegen starke Konkurrenz aber nicht den Sprung ins Halbfinale. Am Ende belegte die 16-Jährige – wie auch Torsten Kröger über die gleiche Distanz - Rang zwölf. Im Finale setzte sich Arianna Fontana (Italien) vor Elise Christie (Großbritannien) und Fan Kexin (China) durch. Bei den Herren konnten Dmitry Migunov (Russland), Francois Hamelin (Kanada) und Kwak Yoon-Gy (Südkorea) jubeln. Über 1500 Meter gelang Christoph Schubert der Einzug ins B-Finale. Da der Dresdner im entscheidenden Lauf aber mit einer Strafe belegt wurde, reichte es am Ende nur zu Rang 14 im Gesamtklassement. Bianca Walter wurde 17.

Bei der Damen-Staffelentscheidung setzte sich Kanada vor Italien und Frankreich durch. Die Niederlande entschieden das Herren-Finale um eine Kufenspitze vor Ungarn und China für sich. Die deutschen Staffeln waren am Finaltag nicht vertreten.

„Die Atmosphäre bei unserem Heim-Weltcup war beeindruckend. Den Zuschauern gilt ein großer Dank für die Unterstützung. Es war gerade für unsere jungen Sportler eine besondere Erfahrung. Sportlich gesehen müssen wir ein durchwachsenes Fazit des Wochenendes ziehen. Es gab viele Penaltys, mit denen ich nicht immer einverstanden war. Positiv wiegt in jedem Fall der Auftritt unserer Damenstaffel, die sich für das Halbfinale qualifizieren konnte“, sagt Bundestrainer Miroslav Boyadzhiev.

„Wir können auf ein ereignisreiches Wochenende zurückblicken. Die Rückmeldungen der einzelnen Teams und der Zuschauer sind durchweg positiv ausgefallen. Dresden hat unter Beweis gestellt, eine Short Track-Hochburg zu sein“, sagt Uwe Rietzke, DESG-Vizepräsident.